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Camera Obscura
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    2000 bis 2004

    Analoge Silberprints auf Holz, Unikate

    Naumanns neue Werke geben wieder keine Antworten auf die Bedienung üblicher tradierter Topoi, obzwar sie in Komposition und Formensprache der Serie Bilderblau in nichts nachstehen und sowohl in der Negierung als auch Paraphrase und Zitaten bekannter Gestaltungsmuster an Singularität gewinnen. Auffallend ist bei genauerer Betrachtungsweise die Beschränkung der technischen Mittel. Fällt schon bei Bilderblau die bewußte Reduktion auf KB-Format und das aus heutiger Sicht behelfsmäßig anmutende Instrumentarium des "klassischen" SW-Labors auf, scheint hier das Ganze auf die Spitze getrieben: Aufnahmegerät, "Bilddetektor" ist der fotografische Oldtimer schlechthin, die camera obscura, vulgo: ein Loch mit Objekt davor und nichts dahinter außer Dunkel und Film, in diesem Fall ein ebenso großformatiger wie ungewöhnlicher, nämlich sorgsam aneinandergefriemelte Fotopapiere, die zusammen bis zu zwei Quadratmeter unwillig lichtsensitive Fläche ergeben.

    Dieser bewußt gewählte technisch skurrile Rahmen bedingt das oben erwähnte Gittermuster, das bei der Erstellung des Positivs aufgrund ebenso gearteter Verfahrensweise erhalten bleibt. Ergänzend ergeben sich Belichtungszeiten, die Fotograf und Modell auf eine harte Probe stellen und im schnellebigen Digitalzeitalter wie aus einer anderen Welt anmuten. Und es paßt: In stillschweigender Übereinkunft mit den Kollegen Bildaufbau, Komposition und Arrangement scheint sich auch die Lichtgeschwindigkeit um die etablierten Gesetze nicht zu kümmern und fließt im Kriechgang über Modell und Hintergrund. Oft diffuse, richtungslose Schatten und einander ausschließende Konturenzeichnung sind Zeugen, die statt knackiger Kornfreiheit eher Schärfewahrscheinlichkeiten in der auferlegten Bildmatrix anzeigen. Und damit wird der Oldtimer schlagartig modern und zeigt uns im Kleinen Großes: Er kehrt an den Anfang fotografischen Schaffens zurück, die Lichtmalerei, und demonstriert fernab von gewohnter Realität als Kunstobjekt nebenbei, daß doch das uns so real anmutende im tiefsten Wesen unscharf bleibt und außerdem die kleinsten Einheiten gequantelt sind und lediglich mit einiger Wahrscheinlichkeit Aussagen über den Ort von in diesem Fall Bildteilchen erwartbar sind. Heisenberg und Schrödinger hätten - wären sie Fotografen gewesen - wohl daran Spaß gehabt. Verschämt neigt da die Digitaltechnik ihr Haupt und gibt zu, daß sie im Grunde auch nicht anders kann, obgleich plakative Schärfe und überreale Zeichnung uns das oft vergessen lassen.

    So bleibt zu sagen, daß uns hier einmal mehr die Klarheit vorenthalten bleibt, und daraus entsteht Raum. Für Fragen, keine Antworten. Erst recht nicht jene, die wir gerne sehen. Und das braucht ein Bild auch nicht zu tun.

    Michael Widmaier

     
    Tom Naumann

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    Germany

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